AVW informiert

Leitungswasser: Schadenursache Pressverbindungen an metallischen Leitungen

Dr. Thorsten Pfullmann ist als IHK-Sachverständiger für Schadenursachen in wasserführenden Anlagen und Installationen am Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) in Kiel tätig. Das Institut führt umfangreiche gutachterliche Tätigkeiten durch, bei der die Ursachen einzelner Schäden erforscht werden. Auf dem letzten Workshop des FORUM LEITUNGSWASSER der AVW Unternehmensgruppe informierte Herr Dr. Pfullmann die technischen Entscheider der Wohnungsunternehmen über die nach IFS-Erfahrung häufigsten Ursachen von Leitungswasserschäden. Mit dabei: Pressverbindungen an metallischen Leitungen. Warum mangelhafte Pressverbindungen so häufig zu Leitungswasserschäden führen und wie sie vermieden werden können, darüber informieren wir Sie hier.

Rohre von Trinkwasserinstallationen müssen in geeigneter Weise verbunden werden. Über Jahrzehnte waren die Verbindungstechniken „Verschrauben" oder „Löten" vorherrschend. In den 1990er Jahren begann dann aber die Technik des „Verpressens" ihren Siegeszug. Heute stellt das Verpressen die häufigste Verbindungstechnik im Bereich von Trinkwasserinstallationen dar. Die Anwendung neuer Techniken führt zwangsläufig auch zu neuen Arten von Schäden, die aber durchaus vermeidbar sind. Im Folgenden werden beispielhaft zwei typische Schadenfälle aus dem Bereich der Pressverbindungen und notwendige Konsequenzen für die Schadenverhütung dargestellt.

Beispiel 1: Überschwemmung im OP

Es begann an einem Dienstagabend. Der Sicherheitsdienst entdeckte einen Leitungswasserschaden im neuen Krankenhaus, das noch nicht fertiggestellt war. Die gesamte Wasserinstallation wurde aber schon 4 Wochen zuvor in Betrieb genommen. Die bereits ausgetretene Wassermenge war ganz erheblich. Der eigentliche Schaden war im 5. Obergeschoss aufgetreten. Inzwischen verteilte sich das Wasser über Versorgungsschächte und über die Decken bis in das 1. Obergeschoss. Im dort befindlichen OP-Bereich zeigten sich umfangreiche Schäden. Die notwendige Sanierung der Feuchteschäden nahm einige Wochen in Anspruch. Das Krankenhaus konnte nicht wie geplant eröffnet werden. Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) wurde mit der Ursachenermittlung dieses Leitungswasserschadens betraut.

Der schadenursächliche Bereich der Installation konnte schnell lokalisiert werden. Er befand sich in einer Warmwasserzirkulationsleitung aus Edelstahl. Diese war in einer Zwischendecke im 5. Obergeschoss verlegt. Laut Angaben der Installationsfirma beträgt der Betriebsdruck in diesem Bereich 2 bar, die Temperatur 70°C. Eine Druckprüfung der Leitung hatte laut Installationsfirma stattgefunden. Ein Protokoll dieser Prüfung wurde aber nicht vorgelegt. Der Wasseraustritt erfolgte an einem 90°-Einsteckbogen. Dieser Teil der Installation wurde asserviert und im Labor genauer untersucht. Dabei ging es vor allem um drei Fragestellungen: Wurde zertifiziertes Installationsmaterial verwendet? Wurde ein systemkonformes Presswerkzeug benutzt? Und war die Einschubtiefe ausreichend?

Die ersten zwei Fragen konnten bejaht werden. Die Komponenten wiesen DVGW-Prüfzeichen auf und die Spuren der Verpressung auf dem Rohr deuteten auf die Verwendung eines geeigneten Werkzeuges hin. Die Einschubtiefe soll laut Herstellerangaben für das verwendete Rohr 24 mm betragen. Unterschreitungstoleranzen werden vom Hersteller des verwendeten Produktes nicht angegeben. Andere Hersteller vergleichbarer Produkte weisen eine Unterschreitungstoleranz von maximal 5 mm aus.

Bild 1 zeigt den schadenursächlichen Einsteckbogen. Die Detailaufnahme auf Abbildung 2 lässt die viel zu geringe Einschubtiefe erkennen. Statt der geforderten 24 mm konnten nur 7,5 mm gemessen werden. Eine stabile Verbindung ist so nicht gegeben. Somit liegt eindeutig ein Installationsmangel in Verantwortung der Installationsfirma vor. Darüber hinaus erscheint es zweifelhaft, ob eine vorgeschriebene Druckprüfung mit minimal 15 bar Wasserdruck stattgefunden hat. Eine solche Druckprüfung hätte den Mangel zu Tage gebracht.

Beispiel 2: Wasserschaden im Hotel

Die Umstände des zweiten Schadenbeispiels ähneln dem oben beschriebenen Schaden. Der Schaden ereignete sich in einem Hotel. Wie Krankenhäuser sind Hotels durch eine umfangreiche Trinkwasserinstallation gekennzeichnet. Auch das Hotel war ein Neubau und noch nicht übergeben.

Der Schaden trat in einer Steigleitung im 4. Obergeschoss auf. Vom nicht unerheblichen Schaden waren das 4. Obergeschoss und die darunterliegenden Geschosse betroffen. Eine Pressverbindung hatte sich gelöst und damit den Schaden verursacht. Das IFS wurde mit der Schadenursachenermittlung beauftragt.

Die mangelhafte, schadenursächliche Pressverbindung befand sich an einem T-Stück. Wie im oben dargestellten Schadenfall mussten die Fragen nach zertifiziertem Material, systemkonformem Presswerkzeug und ausreichender Einschubtiefe beantwortet werden. Die Untersuchungen im IFS ergaben, dass es sich um zertifiziertes Material eines bekannten Markenherstellers handelte. Ein Produktmangel lag nicht vor. Anhand der Pressspuren konnte im Labor des IFS ermittelt werden, dass nicht ein systemkonformes Presswerkzeug, sondern das eines anderen Herstellers verwendet wurde. Den größten Beitrag zur Schadenentstehung leistete aber die viel zu geringe Einschubtiefe. Statt der vom Hersteller geforderten 21 mm, lag diese nur bei 8 mm. Das stellt einen gravierenden, schadenursächlichen Mangel dar, der auf Bild 4 erkennbar ist.

 

Geringe Einschubtiefe und falsches Werkzeug führen zu Schäden

Mangelhafte Pressverbindungen stellen einen deutlichen Schadenschwerpunkt bei Leitungswasserschäden dar. Typischerweise treten die Schäden kurz nach der Inbetriebnahme auf. Die Ursache ist fast immer eine fehlerhafte Verarbeitung. Wertet man Schadenstatistiken noch genauer aus, so ist die zu geringe Einschubtiefe der häufigste Fehler. Nicht systemkonformes Presswerkzeug bzw. dessen fehlerhafte Verwendung leisten einen weiteren wesentlichen Beitrag zu den Schäden. Natürlich gibt es auch Fälle, bei denen die Verpressung komplett vergessen wurde. Im Zusammenhang mit dem Thema Verpressungen sind dagegen Materialfehler als Schadenursache äußerst selten.

Wie können Schäden an Verpressungen vermieden werden?

Die erste Voraussetzung, um Schäden an Verpressungen zu vermeiden, ist die Verwendung von zertifizierten Materialien und den dafür vorgesehenen Werkzeugen. Zudem muss die vom Hersteller in den technischen Unterlagen vorgegebene Einschubtiefe unbedingt eingehalten werden.

Eine weitere Schadenursache können schlecht entgratete Rohrenden darstellen. Diese beschädigen beim Einschieben in die Fittings die darin sitzenden Dichtungen.

Überall, wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Das gilt auch bei der Herstellung von Pressverbindungen. Aus diesem Grund ist in den einschlägigen Normen eine Druckprüfung der Installation nach Fertigstellung vorgesehen. Mit Hilfe einer solchen Druckprüfung können mangelhafte Pressverbindungen zuverlässig festgestellt werden. So können Undichtigkeiten erkannt und behoben werden – ohne dass ein größerer Leitungswasserschaden auftritt.

Für Schadenexperten ist es keine neue Erkenntnis: Schäden haben meist nicht nur eine Ursache. Oft müssen mehrere Gründe zusammenkommen, damit ein Schaden entsteht. So ist es auch hier. Allein die mangelhafte Ausführung der Verpressung reicht nicht aus. Es muss auch noch die fehlende oder mangelhafte Druckprüfung dazukommen.  

 

Wenn Sie an weiteren Hinweisen zum Thema Schadenprävention interessiert sind, sprechen Sie gern unseren Schadenberater Herrn Stefan Schenzel an.

 

Quelle: Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS), Kiel