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Neue VdS-Richtlinien zur Leitungswasserschaden-Sanierung: „Im Vordergrund steht die fachgerechte und schnelle Abwicklung durch alle Beteiligten.“

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat kürzlich die Richtlinien zur Leitungswasserschaden-Sanierung (VdS 3150) herausgegeben. An der Ausarbeitung beteiligt war Herr Dr. Georg Scholzen. Der Diplom-Chemiker hat über 20 Jahre Erfahrung in der Schadenverhütung von Leitungswasserschäden und ist u.a. Sprecher der Projektgruppe „Leitungswasser“ des GDV, Mitglied im Projektkreis „Betrieb und Wartung“ beim DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.), Autor des Fachbuches „Leitungswasserschäden: Vermeidung – Sanierung – Haftung“ und fester Referent im FORUM LEITUNGSWASSER der AVW Unternehmensgruppe. Im Interview mit der AVW erzählt Herr Dr. Scholzen, welche Ziele die Richtlinien verfolgen, für wen sie wichtig sind und welche Veränderungen er sich durch sie erhofft.

Herr Dr. Scholzen, Sie haben an der Erarbeitung der VdS-Richtlinien zur Leitungswasserschaden-Sanierung mitgewirkt. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Jedes Jahr entstehen rund eine Million Leitungswasserschäden in Deutschland. Da muss etwas getan werden! Ich fand es deshalb sehr gut, dass ich als Sprecher der GDV-Projektgruppe „Leitungswasser“ die Sichtweise und meine über 20-jährige Erfahrung aus der Schadenverhütung von Leitungswasser-Installationen einbringen durfte.

Für wen sind die Richtlinien hilfreich? An wen richten sie sich?

Die Richtlinien sind insbesondere für die von einem Leitungswasserschaden Betroffenen (Versicherungsnehmer) erstellt worden.

Und sie sind auch für alle gedacht, die im Schadenfall beteiligt sind: Dazu gehören neben dem Versicherer und dem Versicherungsnehmer vor allem die Handwerker der Sanitärbranche, die letztlich den Schaden beheben. Hinzu kommen gegebenenfalls Firmen der Leckage-Ortung oder weitere Fachfirmen, zum Beispiel Trocknungsfirmen oder auch sonstige Handwerksfirmen wie Maler oder Fliesenleger. Auch Verwalter, Mieter und natürlich die Akteure der Wohnungsgesellschaften sind bei der Beseitigung von Leitungswasserschäden gefragt. Die verschiedenen Akteure sind in den Richtlinien aufgeführt.

Wichtig ist, dass alle Akteure am selben Strang und auch in die richtige Richtung ziehen.  

Welche Ziele werden mit den Richtlinien verfolgt?

Im Vordergrund steht die fachgerechte und schnelle Abwicklung des Leitungswasserschadens. Die Richtlinien sollen dazu beitragen, dass die Schadenbehebung von allen Beteiligten als kooperativer Prozess verstanden wird. Das setzt ein einheitliches Verständnis für die fachgerechte und schnelle Behebung des Schadens voraus. Daher beschreiben die Richtlinien den optimalen Ablauf der Schadenbeseitigung.

Und wer hat alles bei der Erarbeitung mitgewirkt? Wie sind Sie vorgegangen?

Der GDV hat die Richtlinien in Zusammenarbeit mit Verbänden der Sanierungsbranche und der Sachverständigen erarbeitet. Akteure waren z.B. Schadensachbearbeiter, Regulierer, Schadenkoordinatoren und Führungskräfte aus der Leistungsabteilung der Versicherer. Dazu kamen Sanierungsfachleute aus den Fachverbänden Bundesverband der Brand- und Wasserschadenbeseitiger (BBW) und Fachverband Sanierung und Umwelt (FSU), Bausachverständige und Sachverständige vom Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS), meine Person für Schadenverhütung sowie Kollegen vom GDV.

Die interdisziplinäre Zusammensetzung war für das Ergebnis und die intensiven Diskussionen sehr von Vorteil, weil alle Seiten beleuchtet werden konnten.

Fachverbände, die Versicherungswirtschaft und auch der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen haben Teilergebnisse bzw. später die kompletten Richtlinien zur „Prüfung“ erhalten, um Meinungen und Rückmeldungen zu erhalten. Dadurch konnten die Richtlinien an der Praxis ausgerichtet werden.

Und kurz zusammengefasst, was steht drin in den Richtlinien?

Die Richtlinien beschreiben den optimalen Ablauf der Behebung von Leitungswasserschäden – von der ersten Schadenfeststellung bis zur abschließenden Entschädigungszahlung:

  • Erstmaßnahmen

  • Schadenmeldung

  • Abstimmungsprozesse (mit wem?)

  • Feststellung der Schadenursache

  • Behebung der Schadenursache

  • Wiederherstellung / Instandsetzung

  • Abnahme

  • und Regulierung.

Sie enthalten klare und verständliche Hinweise und Erläuterungen, was im Normalfall eines Leitungswasserschadens jeweils von wem beachtet und getan werden sollte.

Wer mehr wissen möchte: Im nächsten AVW-Workshop des FORUM LEITUNGSWASSER am 22.11.2018 in Hamburg werde ich die Richtlinien den technischen Entscheidern der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft vorstellen. Gemeinsam sollen die relevanten Punkte für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft besprochen werden. 

Was kann die Wohnungswirtschaft aus den Richtlinien ziehen?

Aus meiner Sicht kann die Wohnungswirtschaft besonders Folgendes aus den neuen Richtlinien ziehen:

  • Zielgerechte Vorgaben zum Ablauf von Leitungswasserschaden-Sanierungen und zur Struktur

  • Vorgaben zu einer einheitlichen Schadenaufnahme, die

  1. den Prozess optimiert,

  2. die Abwicklung beschleunigt und

  3. damit die Kosten senkt.

Was sollte sich durch die neuen Richtlinien konkret bei der Leitungswasserschaden-Sanierung zukünftig verändern? Was wäre Ihr Wunsch?

Der vom Leitungswasserschaden Betroffene und alle Beteiligten sehen sich als Partner und arbeiten darauf hin, dass durch Einhaltung der „Spielregeln“ der Schaden schnell und professionell abgewickelt wird. Die beteiligten Akteure erhalten für die geleistete gute Arbeit (nach den anerkannten Regeln der Technik) ihr Geld umgehend überwiesen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Scholzen.

 

Hier geht es zu den VdS-Richtlinien