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Interview zum FORUM LEITUNGSWASSER: Gibt es eine Geheimwaffe gegen Leitungswasserschäden, Herr Rehberg, Herr Asche?

Dipl.-Ing. Siegfried Rehberg ist technischer Experte mit langjähriger Erfahrung in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Seit 2017 verantwortet er zusammen mit Herrn Helmut Asche das FORUM LEITUNGSWASSER der AVW Unternehmensgruppe. Im Interview sprechen Siegfried Rehberg und Helmut Asche über die Motivation, das FORUM LEITUNGSWASSER zu leiten, die Entwicklungen in den Workshops in den vergangenen Monaten und über die Vision für die Zukunft.

Herr Rehberg, Sie leiten zusammen mit Ihrem Kollegen Herrn Helmut Asche seit 2017 für die AVW Unternehmensgruppe das FORUM LEITUNGSWASSER. Hatten Sie in der Vergangenheit schon mal Berührung mit dem Thema Verhütung von Leitungswasserschäden?

Rehberg: Nein, Leitungswasserschäden waren ein Thema aus dem Versicherungsbereich, das die Aufgaben der Technischen Abteilungen in den Wohnungsunternehmen kaum tangierte. Auch unter den Aspekten Instandhaltungsfragen, Verkehrssicherungspflichten, Energieeinsparung und Betriebskosten wurden Leitungswasserschäden nebensächlich behandelt.

Warum haben Sie diese Aufgabe übernommen und was reizt Sie daran?

Rehberg: Leitungswasserschäden haben innerhalb der Gebäudeversicherung mit rund 54 Prozent den größten Anteil. Die hohe Anzahl von 1,14 Millionen Schäden, für die im Jahr 2017 die Versicherer 2,76 Milliarden Euro zahlen mussten, bedeutet auch eine Komfortminderung für mehr als 1 Million Mieter und Eigenheimnutzer. Es stellen sich die für mich herausfordernden Fragen: Wie viele dieser Schäden könnten vermieden werden? Wann werden die Versicherer die Prämien erhöhen oder ganze Gebäude nicht mehr versichern?

Was glauben Sie, wie profitiert die Wohnungswirtschaft durch die Workshop-Reihe des FORUM LEITUNGSWASSER?

Rehberg: Vorhandenes Wissen der Versicherer aus jährlich rund 1 Mio. Leitungswasserschäden soll für die Wohnungswirtschaft nutzbar gemacht werden. Mit der Umsetzung eines Präventions-Konzeptes gegen Leitungswasserschäden in Wohnungsunternehmen wie es die AVW mit dem FORUM LEITUNGSWASSER nun angeht wird ein Beitrag zur Verbesserung der Bestandsbewirtschaftung und letztlich ein Beitrag zur Dämpfung der Betriebskosten geleistet.

Herr Asche, Sie haben im Sommer 2017 zusammen mit Herrn Rehberg den ersten Workshop des FORUMs geleitet. Was würden Sie sagen, hat sich seitdem bereits verändert?

Asche: Die Schadenursachen und Präventionsstrategien zeigen sich aus der konstruktiven Diskussion aller Workshop-Teilnehmer immer konkreter. Der Fokus richtet sich nun auf die operative Umsetzung (Checklisten, Risikobewertungen u.a.). Die Arbeitsergebnisse entwickelten sich von Workshop zu Workshop: vom Erkenntnisstand zur Definition von Prioritäten, Konzepte und Instrumente wurden erarbeitet, Umsetzungshilfen formuliert. Mit den Ausführungserfahrungen des Handwerks wie auch der wissenschaftlichen Analyse diverser Experten (u.a. VdS, GDV, IFS, SHK-Innung) konnten die Präventionsschwerpunkte immer mehr eingeengt werden. Das hält die Motivation aller Beteiligten auf hohem Niveau – und dieser Erfolg macht auch Spaß.

Vor kurzem fand bereits der vierte Workshop des FORUMs statt. Was waren für Sie die spannendsten Erkenntnisse?

Asche: Die Ursachen und Folgen von Leitungswasserschäden bleiben allgemein in den Wohnungsunternehmen „unter der Oberfläche", im Bewirtschaftungsalltag und in der Reparaturabwicklung findet eine kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit der Problematik kaum statt. Der Workshop führt hier zu einer deutlich höheren Sensibilisierung. Durch Priorisierung der Themen und ersten Arbeitshilfen werden die Teilnehmer aus den Unternehmen motiviert, Empfehlungen zur Prävention auch umzusetzen. Fokus bleibt hier die Qualitätssicherung im Rahmen von Reparaturarbeiten, die richtige Materialauswahl sowie die konsequente Beachtung der Betriebsbedingungen im Leitungssystem. Teilnehmer berichteten schon, dass erste Präventionsschritte im Wohnungsunternehmen angegangen werden.

Herr Rehberg, nach vier Workshops und vielen Erkenntnissen, kann man schon sagen, es gibt eine Geheimwaffe gegen Leitungswasserschäden?  

Rehberg: Eine Geheimwaffe ist es nicht, abgesehen davon, dass das Wissen der Versicherer bisher noch nicht in allen technischen Verantwortungsbereichen angekommen ist. Wir entwickeln innerhalb des „AVW-Leitungswasserschadenmanagements" einen Präventions-Baukasten, der Empfehlungen in vier Strategie-Feldern zusammenfasst: Organisationsoptimierung, Portfolioplanung,

Qualitätsmanagement und Qualifizierung. In diesen Feldern ergibt sich eine Vielzahl von kurz- und mittelfristig umsetzbaren Handlungsoptionen. Wichtig ist der Aufbau einer Objektdokumentation zur Verbesserung des Wissens über die Bestände und die Schadenentwicklung. Hier hat die AVW mit dem AVW-Schadenmanagementportal (SMP) für ihre Kunden schon erhebliche Arbeit geleistet.

Herr Rehberg, Herr Asche, was wäre Ihr Wunsch, was soll sich durch das Projekt verändern? Kurzfristig und langfristig?

Rehberg: Das Beispiel der Leitungswasserschäden zeigt die hohe Bedeutung der Schadenprävention als Baustein eines nachhaltigen Geschäftsmodells. Die zum Teil noch immer vorhandenen Schranken zwischen der kaufmännischen und technischen Betrachtungsweise können durch kooperatives Handeln überwunden werden. Kompetenz und Qualifikation sind Schlüssel für nachhaltiges Handeln. Hier profitieren alle Teilnehmer von den Workshops in hohem Maße. Das Projekt erweist schon heute seinen Nutzen für die Kunden der AVW.

Asche: Insgesamt wäre mein Wunsch, dass die Wohnungsunternehmen erkennen sollen, Schadenminderung „lohnt" sich: Sachschaden wird verhindert, Störungen beim Mieter werden vermindert, der interne Verwaltungsaufwand reduziert sich. Für diese positive „Kettenreaktion" engagiere ich mich gerne in dem Präventions-Projekt der AVW.

 

Vielen Dank für das Interview, Herr Siegfried Rehberg, Herr Helmut Asche.