Fassaden, Dächer und Außenanlagen wie Solaranlagen können durch Hagel beschädigt werden. Nicht nur durch den Aufprall der Eiskörner selbst, sondern auch durch Niederschlagswasser, das ins Gebäude eindringen und zu Durchfeuchtungsschäden am Inventar und der Einrichtung führen kann. Auch Einläufe der Entwässerung für Dächer, Grundstücke und Straßen können durch Hagelkörner, Blätter, Schlamm und Geröll verstopfen. Das beeinträchtigt die Wasserableitung und Niederschlagswasser kann nicht mehr kontrolliert abfließen. Die Folgen: Grundstücke, Gebäudeteile und Straßen können überfluten, Menschen und Sachwerte Schaden nehmen.
Auf Erfahrungswerte zurückgreifen
Um ein Gebäude vor Hagel zu schützen, ist die erste Maßnahme eine objektbezogene Gefährdungsbeschreibung, bei der die Bausubstanz und die Exponierung des Objekts bewertet werden. Die Herausforderung: In Deutschland werden Hagelereignisse bislang nicht systematisch meteorologisch erfasst, eine valide Hagel-Zonierung gibt es also nicht. Auch die bauliche Hagelwiderstandsfähigkeit (HW) von Gebäuden ist in Deutschland bauordnungsrechtlich bisher nicht verankert. Für die Gefahr Hagel muss deshalb neben den individuellen Bewertungen der objektbezogenen Exponierung und der Bausubstanz auf Schadenerfahrungen aus Österreich und der Schweiz zurückgegriffen werden.
Die Hagelwiderstandsklassen
Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) hat in einer länderübergreifenden Fachkommission Elementarschutz-Register (FER) normierte Prüfbestimmungen für die Prüfung des Hagelwiderstands ausgearbeitet. Sie legen fest, wie ein Hageltest für Bauteile oder Baumaterialien ablaufen muss und nach welchen Schadenkriterien die Klassierung erfolgt. Die Bestimmungen werden laufend aktualisiert.
Unterschieden werden fünf Hagelwiderstandsklassen (HW 1–5), anhand derer unterschiedliche Produkte der Gebäudehülle bezüglich ihrer Hagelwiderstandsfähigkeit eingeteilt werden können:
- Hagelkörner bis 1 cm (HW 1)
- Hagelkörner bis 2 cm (HW 2)
- Hagelkörner bis 3 cm (HW 3)
- Hagelkörner bis 4 cm (HW 4)
- Hagelkörner bis 5 cm (HW 5)
Reparatur oft günstiger und besser als Austausch
Als Basisschutz vor Hagel im Sinne von „Build Back Better“ gilt die bauliche Hagelwiderstands–fähigkeit von mindestens HW 3. Gut zu wissen: Eine höhere Hagelwiderstandsfähigkeit hat aktuell keine signifikanten Mehrkosten zur Folge. Mitunter ist eine Reparatur einem Austausch vorzuziehen, da das günstiger ist und zu einem höheren Hagelwiderstand führt – etwa bei Kunststoffbedachungen, für die es alternative Reparaturmethoden wie Beschichtungssysteme und Überdeckungen aus Lochblech gibt.
Qualität zählt
Grundsätzlich wirken sich die Qualität der Baustoffe und Bauteile auf die Hagelwiderstandsfähigkeit eines Gebäudes aus. Produkte mit klassifizierter Hagelwiderstandsfähigkeit bieten einen verbesserten Schutz vor Hagelschäden. Tipps für Baustoffe mit nachgewiesener Hagelwiderstandsfähigkeit gibt es unter www.hagelregister.com. Ergänzende Informationen zur Hagelwiderstandsfähigkeit und Anerkennung von bestimmten Dach- und Fassadenteilen, Schwimmbadabdeckungen und anderen Produkten gibt es außerdem unter www.hagelregister.ch.